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Johann Wolfgang von Goethe

Goethe und Schiller – Xenien

Goethe und Schiller: Xenien Xenien von Goethe und Schiller 1. Der ästhetische Thorschreiber. Halt Passagiere! Wer seid ihr? Wes Standes und Charakteres? Niemand passieret hier durch, bis er den Paß mir gezeigt. 2. Xenien. Distichen sind wir. Wir geben uns nicht für mehr noch für minder, Sperre du immer, wir ziehn über den Schlagbaum hinweg. […]

Johann Wolfgang von Goethe – Wilhelm Meisters Lehrjahre

Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre Roman Erstes Buch Erstes Kapitel Das Schauspiel dauerte sehr lange. Die alte Barbara trat einigemal ans Fenster und horchte, ob die Kutschen nicht rasseln wollten. Sie erwartete Marianen, ihre schöne Gebieterin, die heute im Nachspiele, als junger Offizier gekleidet, das Publikum entzückte, mit größerer Ungeduld als sonst, wenn […]

Johann Wolfgang von Goethe – Sankt Joseph der Zweite

Johann Wolfgang von Goethe: Sankt Joseph der Zweite Erzählung aus Wilhelm Meisters Wanderjahre (Geschrieben 1807/08) Schon hatte der Wanderer, seinem Boten auf dem Fuße folgend, steile Felsen hinter und über sich gelassen, schon durchstrichen sie ein sanfteres Mittelgebirg und eilten durch manchen wohlbestandnen Wald, durch manchen freundlichen Wiesengrund immer vorwärts, bis sie sich endlich an […]

Johann Wolfgang von Goethe – Prometheus

Johann Wolfgang von Goethe: Prometheus Dramatisches Fragment Erster Akt [Prometheus. Merkur.] Prometheus. Ich will nicht, sag es ihnen! Und kurz und gut, ich will nicht! Ihr Wille gegen meinen! Eins gegen eins, Mich dünkt, es hebt sich! Merkur. Deinem Vater Zeus das bringen? Deiner Mutter? Prometheus. Was Vater! Mutter! Weißt du, woher du kommst? Ich […]

Johann Wolfgang von Goethe – Nicht zu weit

Johann Wolfgang von Goethe: Nicht zu weit Erzählung aus Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Es schlug zehn in der Nacht, und so war denn zur verabredeten Stunde alles bereit: im bekränzten Sälchen zu vieren eine geräumige, artige Tafel gedeckt, mit feinem Nachtisch und Zuckerzierlichkeiten zwischen blinkenden Leuchtern und Blumen bestellt. Wie freuten sich die Kinder auf […]

Johann Wolfgang Goethe – Götz von Berlichingen

Johann Wolfgang Goethe: Götz von Berlichingen I. Akt Schwarzenberg in Franken Herberge Metzler, Sievers am Tische. Zwei Reitersknechte beim Feuer. Wirt. Sievers. Hänsel, noch ein Glas Branntwein, und meß christlich. Wirt. Du bist der Nimmersatt. Metzler (leise zu Sievers). Erzähl das noch einmal vom Berlichingen! Die Bamberger dort ärgern sich, sie möchten schwarz werden. Sievers. […]

Johann Wolfgang von Goethe – Faust, Der Tragödie zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe: Faust, Der Tragödie zweiter Teil Anmutige Gegend   ARIEL: Wenn der Blüten Frühlingsregen über alle schwebend sinkt, Wenn der Felder grüner Segen Allen Erdgebornen blinkt, Kleiner Elfen Geistergröße Eilet, wo sie helfen kann, Ob er heilig, ob er böse, Jammert sie der Unglücksmann. Die ihr dies Haupt umschwebt im luft’gen Kreise, […]

Johann Wolfgang von Goethe – Faust, Der Tragödie erster Teil

Johann Wolfgang von Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil Zueignung. Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten? Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt? Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten, Wie ihr aus Dunst und Nebel um […]

Johann Wolfgang von Goethe: Eine Gespenstergeschichte

Johann Wolfgang von Goethe: Eine Gespenstergeschichte Bei einem wackern Edelmann, meinem Freunde, der ein altes Schloß mit einer starken Familie bewohnte, war eine Waise erzogen worden, die, als sie herangewachsen und vierzehn Jahre alt war, meist um die Dame vom Hause sich beschäftigte und die nächsten Dienste ihrer Person verrichtete. Man war mit ihr wohl […]

Johann Wolfgang von Goethe – Egmont

Johann Wolfgang von Goethe: Egmont Ein Trauerspiel in Fünf Aufzügen Personen Margarete von Parma, Tochter Karls des Fünften, Regentin der Niederlande. Graf Egmont, Prinz von Gaure. Wilhelm von Oranien. Herzog von Alba. Ferdinand, sein natürlicher Sohn. Machiavell, im Dienst der Regentin. Richard, Egmonts Geheimschreiber. Silva,)-unter Alba dienend. Gomez,)- Klärchen, Egmonts Geliebte. Ihre Mutter. Brackenburg, ein […]

Johann Wolfgang von Goethe – Die wunderlichen Nachbarskinder

Johann Wolfgang von Goethe: Die wunderlichen Nachbarskinder Novelle aus Die Wahlverwandtschaften (1809) Zwei Nachbarskinder von bedeutenden Häusern, Knabe und Mädchen, in verhältnismäßigem Alter, um dereinst Gatten zu werden, ließ man in dieser angenehmen Aussicht miteinander aufwachsen, und die beiderseitigen Eltern freuten sich einer künftigen Verbindung. Doch man bemerkte gar bald, daß die Absicht zu mißlingen […]

Johann Wolfgang von Goethe – Die gefährliche Wette

Johann Wolfgang von Goethe: Die gefährliche Wette Erzählung aus Wilhelm Meisters Wanderjahre (Geschrieben 1807/08) Es ist bekannt, daß die Menschen, sobald es ihnen einigermaßen wohl und nach ihrem Sinne geht, alsobald nicht wissen, was sie vor Übermut anfangen sollen; und so hatten denn auch mutwillige Studenten die Gewohnheit, während der Ferien scharenweis das Land zu […]

Johann Wolfgang von Goethe – Die Sängerin Antonelli

Johann Wolfgang von Goethe: Die Sängerin Antonelli Erzählung aus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795) »Als ich mich in Neapel aufhielt, begegnete daselbst eine Geschichte, die großes Aufsehen erregte und worüber die Urteile sehr verschieden waren. Die einen behaupteten, sie sei völlig ersonnen, die andern, sie sei wahr, aber es stecke ein Betrug dahinter. Diese Partei war […]

Johann Wolfgang von Goethe – Die Leiden des jungen Werther

Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther Erstes Buch Am 4. Mai 1771 Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir’s. Waren nicht meine […]

Johann Wolfgang von Goethe – Die Geschichte von Mignons Eltern

Johann Wolfgang von Goethe: Die Geschichte von Mignons Eltern Erzählung aus Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) »Meinen Vater«, sagte der Marchese, »muß ich, so viel Welt ich auch gesehen habe, immer für einen der wunderbarsten Menschen halten. Sein Charakter war edel und gerade, seine Ideen weit, und man darf sagen groß; er war streng gegen sich […]

Johann Wolfgang von Goethe – Der neue Paris

Johann Wolfgang von Goethe: Der neue Paris Knabenmärchen aus Dichtung und Wahrheit (1811) Mir träumte neulich in der Nacht vor Pfingstsonntag, als stünde ich vor einem Spiegel und beschäftigte mich mit den neuen Sommerkleidern, welche mir die lieben Eltern auf das Fest hatten machen lassen. Der Anzug bestand, wie ihr wißt, in Schuhen von sauberem […]