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Ludwig Bechstein

Von zwei Affen

Ludwig Bechstein Von zwei Affen „Ein alter Affe lebte an einem fruchtbaren Ort, wo Bäume und Früchte, Wasser und Weiden im Überfluß vorhanden waren.Da er nur immer im Wohlleben war, so bekam er in seinem Alter die Raute und war damit sehr geplagt, wurde mager und kraftlos, so daß er seine Speise nicht mehr erlangen […]

Von dem Wolf und den Maushunden

Ludwig Bechstein Von dem Wolf und den Maushunden „Am Meeresgestade war eine Schar Wölfe, darunter war einer besonders blutdürstig, der wollte zu einer Zeit sich einen besondern Ruhm unter seinen Gesellen erwerben und ging in ein Gebirge, wo viele und mancherlei Tiere sich aufhielten, da zu jagen.Aber dieses Gebirge war umfriedet, und die Tiere waren […]

Vom Zornbraten

Ludwig Bechstein Vom Zornbraten Es war einmal ein Ritter, der hatte neben vielem Geld und Gut ein böses Weib, das wußte er nimmer zu bemeistern, und es war schier auf Erden kein ärger Weib zu finden.Er aber war ehrenhaft und sanften Muts.Beide hatten eine einzige Tochter, und die erzog die Mutter also in ihren eigenen […]

Vom Schwaben, der das Leberlein gefressen

Ludwig Bechstein Vom Schwaben, der das Leberlein gefressen Als unser lieber Herr und Heiland noch auf Erden wandelte, von einer Stadt zur andern, das Evangelium predigte und viele Zeichen tat, kam zu ihm auf eine Zeit ein guter einfältiger Schwab und fragte ihn: »Mein Leiden-Gesell, wo willt du hin?« Da antwortete ihm unser Herrgott: »Ich […]

Vom Hühnchen und Hähnchen

Ludwig Bechstein Vom Hühnchen und Hähnchen Es war einmal ein Hühnchen und ein Hähnchen, die gingen miteinander auf den Nußberg und suchten sich Nüßchen. Das Hähnchen sprach zum Hühnchen: „Wenn du ein Nüßchen findest, iß es ja nicht allein, gib mir die Hälfte davon, sonst erwürgst du.“ Aber das Hühnchen hatte ein Nüßchen gefunden und […]

Vom Hänschen und Gretchen, die in die roten Beeren gingen

Ludwig Bechstein Vom Hänschen und Gretchen, die in die roten Beeren gingen Hänschen und Gretchen waren noch kleine Kinder, als sie einmal miteinander hinaus in den Wald gingen, um rote Beeren zu suchen. Jedes hatte ein Töpfchen. Ehe sie den Wald erreichten, kamen sie an einen Teich, darinnen gar schöne Fischchen herumschwammen, die aussahen wie […]

Vom Büblein, das sich nicht waschen wollte

Ludwig Bechstein Vom Büblein, das sich nicht waschen wollte Es ist einmal ein Büblein gewesen, das wollte sich schon als ganz kleines Kind immer nicht waschen lassen, und als es größer wurde, so hat sich’s vor dem Wasser über alle Maßen gegruselt und hat sich vor dem Naßwerden ärger gefürchtet als vor dem Feuer. Und […]

Vogel Holgott und Vogel Mosam

Ludwig Bechstein Vogel Holgott und Vogel Mosam In einen See strömten lustige Bäche, und er war voll Fische und war gelegen in einsamer Gegend, dahin weder Menschen kamen noch Fischreiher und andere fischefressende Vögel vom Meere her.Diesen See entdeckte ein bejahrter Vogel, der hieß Holgott und war vom Geschlecht der Fischadler, und es gefiel ihm […]

Star und Badewännlein

Ludwig Bechstein Star und Badewännlein Vor einem Wirtshaus im Walde hielt ein junger stattlicher Reitersmann, da trat eine feine Maid aus der Türe, grüßte ihn züchtig und fragte, was er begehre. Da heischte er einen Becher kühlen Weins, den brachte ihm die Jungfrau. Der Reitersmann trank aber nicht eher, bis die Maid mit ihren roten […]

Sonnenkringel

Ludwig Bechstein Sonnenkringel Es war ein Mann auf der Wanderschaft, der war aller Zehrung bar und allen Zehrgeldes und wußte nicht, wovon er in der nächsten Herberge die Zeche zahlen sollte. Und da kamen ihm böse Gedanken in den Sinn – wenn einer käme, der am Gelde etwas zu schwer trüge, so wollte er ihm […]

Siebenschön

Ludwig Bechstein Siebenschön Es waren einmal in einem Dorfe ein paar arme Leute, die hatten ein kleines Häuschen und nur eine einzige Tochter, die war wunderschön und gut über alle Maßen. Sie arbeitete, fegte, wusch, spann und nähte für sieben und war so schön wie sieben zusammen, darum ward sie Siebenschön geheißen. Aber weil sie […]

Seelenlos

Ludwig Bechstein Seelenlos Es war einmal ein Menschenfresser, der verspeiste nichts lieber als junge Mädchen, und er war so gewaltig und gefürchtet im Lande, daß niemand es wagte, ihn zu bekämpfen und ihm diesen Appetit zu vertreiben, vielmehr mußte ihm, sobald er ein Mägdelein verspeist hatte, ein anderes geliefert werden, und um bei der Wahl […]

Schneider Hänschen und die wissenden Tiere

Ludwig Bechstein Schneider Hänschen und die wissenden Tiere Ein Schuhmacher und ein Schneider sind einmal miteinander auf die Wanderschaft gegangen. Der Schuster hatte Geld, der Schneider aber war ein armer Schwartenhans.Beide hatten ein und dasselbe Mädchen lieb, welches Lieschen hieß und jeder gedachte, es zu heiraten, wenn er sich ein gutes Stück Geld verdient habe […]

Schneeweißchen

Ludwig Bechstein Schneeweißchen Es war einmal eine Königin, die hatte keine Kinder und wünschte sich eins, weil sie so ganz einsam war. Da sie nun eines Tages an einer Stickerei saß und den Rahmen von schwarzem Ebenholz betrachtete, während es schneite und Schneeflocken vom Himmel fielen, war sie so in tiefen Gedanken, daß sie sich […]

Oda und die Schlange

Ludwig Bechstein Oda und die Schlange Es war einmal ein Mann, der hatte drei Töchter, von denen hieß die jüngste Oda. Nun wollte der Vater dieser drei einmal zu Markte fahren und fragte seine Töchter, was er ihnen mitbringen sollte. Da bat die Älteste um ein goldnes Spinnrad, die zweite um eine goldne Haspel, Oda […]

Hirsedieb

Ludwig Bechstein Hirsedieb In einer Stadt wohnte ein sehr reicher Kaufmann, der hatte am Haus einen großen und prächtigen Garten, in dem auch ein Stück Land mit Hirse besäet war. Da nun dieser Kaufmann einmal in seinem Garten herumspazierte – es war zur Frühjahrszeit, und der Same stand frisch und kräftig -, so sah er […]